Wenn digitale Pathologie auf räumliche Proteomik trifft: Auf dem Weg zu einer neuartigen Präzisionsdiagnostik für T-Zell-Lymphome

Dieser «zweckgebundene Fonds», unterstützt durch eine grosszügige Spende der Loterie Romande, wurde im September 2026 für 3 Jahre an Prof. Laurence de Leval (CHUV) und Prof. Raphael Gottardo (CHUV) vergeben.

T-Zell-Lymphome sind seltene, bösartige und aggressive Tumoren, die nur schwer behandelbar sind. Aufgrund der Vielfalt der histologischen Typen, der zellulären Ursprünge und der Genetik ist ihre Klassifizierung komplex. Das Ziel dieses Projektes ist eine Verbesserung der Diagnose dieser Tumoren, wobei der Schwerpunkt auf anaplastischen, follikulären und „nicht näher bezeichneten“ Einheiten liegt. Dazu werden wir individuelle diagnostische Marker in Multiplex-Panels nutzen, um mithilfe der zyklischen Immunfluoreszenz (COMET™-Bildgebung) zelluläre Phänotypen und räumliche Interaktionen in routinemässig aufbereiteten Biopsien zu kartieren. Dieses Vorgehen wird die Standard-Immunhistochemie ersetzen. Es werden neue phänotypische Signaturen angewendet, die mit den Tumoren und der Mikroumgebung in Zusammenhang stehen und mittels räumlicher Einzelzelltranskriptomik entdeckt wurden.

Das Projekt soll durch den Einsatz von Multiplex-Bildgebung und räumlicher Biologie zu präziseren Diagnosen führen und somit relevante, wirksame klinische Anwendungen und eine verbesserte Patientenversorgung ermöglichen.

Ansatz

In diesem Projekt werden digitale Pathologie und Deep-Learning-Modelle eingesetzt, um durch Verknüpfung von molekularen und histologischen Informationen in Bildern von H&E-gefärbtem Gewebe morphologische Merkmale zu identifizieren. Geplant ist die Erstellung eines Atlas von T-Zell-Lymphomen, die genetisch charakterisiert und von Diagnoseexperten validiert wurden. Zudem soll Kontrollgewebe des lymphatischen Systems analysiert werden. Mit diesem Ansatz können Referenzwerte festgelegt, spezifische Modelle für die verschiedenen Lymphom-Subtypen identifiziert und verwertbare prognostische und therapeutische Signaturen bestimmt werden.

Abwendung von Rückfällen bei akuter myeloischen Leukämie durch Mobilisierung von CAR-T-Lymphozyten

Dieser «zweckgebundene Fonds» wurde im September 2026 für 4 Jahre an Prof. Caroline Arber vergeben.

Die akute myeloische Leukämie ist eine Blutkrebsart, die nach einer Stammzelltransplantation erneut auftreten kann. In solchen Fällen sind die therapeutischen Optionen sehr begrenzt und die Prognose ist äusserst ungünstig. CAR-T-Zelltherapien haben die Behandlung bestimmter Leukämiearten grundlegend verändert. Für Patienten mit akuter myeloischer Leukämie steht aber noch keine Behandlung dieser Art zur Verfügung.

Ziel des von Prof. Caroline Arber am CHUV geleiteten FIAMMA Projektes ist die Evaluation einer neuartigen CAR-T-Zelltherapie für Kinder und Erwachsene bei denen die Erkrankung nach einer Transplantation erneut aufgetreten ist. Die Immunzellen werden so verändert, dass sie das Protein CD70, das auf der Oberfläche vieler Leukämiezellen vorkommt, erkennen und diese Krebszellen deshalb gezielt angreifen können.

Das Besondere an diesem Ansatz ist, dass die CAR-T-Zellen aus Lymphozyten des Familienmitglieds, das schon die Stammzellen für die Transplantation gespendet hat, hergestellt werden. Diese Zellen stammen demnach von einer gesunden Person und sollten daher funktionsfähiger sein als diejenigen des Patienten. Diese Methode reduziert zudem das Risiko für eine Kontamination des therapeutischen Produktes durch leukämische Zellen.

In dieser klinischen Studie werden schrittweise verschiedene Dosierungen getestet, um festzustellen, ob die Behandlung sicher hergestellt und verabreicht werden kann. Gleichzeitig sollen erste Hinweise auf ihre Wirksamkeit gewonnen werden. An der Studie sollen 18 Personen (6 Kinder und 12 Erwachsene) teilnehmen und von Fachteams des CHUV betreut werden. Die Forschenden werden die Persistenz der CAR-T-Zellen im Blut und Knochenmark, deren Aktivität sowie allfällige Nebenwirkungen sorgfältig überwachen. Zudem werden biologische Untersuchungen durchgeführt, um die Mechanismen, die mit dem Ansprechen, der Resistenz und möglichen Komplikationen zusammenhängen, besser zu verstehen.

Langfristig soll den Patientinnen und Patienten, für welche die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten unzureichend sind, ein neuer Therapieansatz zur Verfügung stehen. Fallen die ersten Ergebnisse vielversprechend aus, könnte die Studie auf eine grössere Anzahl von Menschen mit rezidivierender oder refraktärer akuter myeloischer Leukämie ausgeweitet werden. Auch eine Erweiterung auf Patienten mit anderen Krebsarten, die das CD70-Protein exprimieren, wäre denkbar.

Verbesserung der Behandlung solider Tumoren durch die Ausstattung von CAR-T-Zellen mit neuen Rezeptoren

Dieser «zweckgebundene Fonds» wurde im Juli 2026 für 4 Jahre an Prof. Caroline Arber vergeben.

CAR-T-Zelltherapien haben in der Bekämpfung bestimmter Blutkrebsarten bedeutende Fortschritte ermöglicht. Ihre Wirksamkeit ist jedoch bei soliden Tumoren, insbesondere bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, nach wie vor begrenzt. Diese Tumoren entwickeln um sich herum eine besonders schützende Umgebung. Diese bremst das Eindringen der Immunzellen, schwächt deren Wirkung und beeinträchtigt deren Fähigkeit, die Krebszellen nachhaltig zu bekämpfen.

Ziel des von Prof. Caroline Arber geleiteten Projektes ist es, dieses Hindernis zu überwinden, indem die CAR-T-Zellen mit einem zweiten Rezeptor namens TSensSER ausgestattet werden. Ähnlich wie ein biologischer Sensor ist dieser darauf ausgelegt, bestimmte Signale zu erkennen, die in höherer Konzentration in der Tumorumgebung vorkommen. Werden diese Signale vom Rezeptor erkannt, verstärkt dieser die Aktivität der CAR-T-Zellen. Auf diese Weise können sie tiefer in den Tumor eindringen, den schwächenden Mechanismen widerstehen und ihre Wirkung langfristig aufrechterhalten.

In Zusammenarbeit mit dem Team um Prof. Patrick Barth an der EPFL nutzen die Forschenden künstliche Intelligenz und computergestütztes Proteindesign, um diese neuen Rezeptoren zu entwickeln. Mehrere Kandidaten werden zunächst an menschlichen Zellen getestet und anschliessend in verschiedenen präklinischen Modellen evaluiert, insbesondere in aus Patiententumoren hergestellten Organoiden. So sollen die vielversprechendsten Kandidaten für die Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs und anderen CD70-exprimierenden soliden Tumoren identifiziert werden.

Ein besonderes Augenmerk gilt der Sicherheit. Die modifizierten Zellen entfalten ihre volle Wirkung nur, wenn sie sowohl die Krebszelle als auch die charakteristischen Signale derer Umgebung erkennen. Sie verfügen ausserdem über einen Mechanismus, der es im Falle unerwünschter Nebenwirkungen ermöglicht, sie zu eliminieren.

Langfristig soll für Patientinnen und Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, die nach Standardbehandlung einen Rückfall erlitten haben, das wirksamste Verfahren ausgewählt und klinisch entwickelt werden. Anschliessend könnte dieser Ansatz auch auf andere solide Tumoren mit ähnlichen Eigenschaften übertragen werden.

Verbesserte Integration von medizinischen Daten zur Unterstützung von personalisierter onkologischer Betreuung

Dieser «zweckgebundene Fonds», unterstützt durch eine grosszügige Spende der Loterie Romande, wurde im Juli 2026 für 4 Jahre an Prof. Charlotte Bunne (EPFL) und Prof. Olivier Michielin (HUG) vergeben.

Die Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen stützt sich heute auf eine Vielzahl von Daten. Informationen aus Gewebe-, Genom-, Eiweiss- und Genexpressionsanalysen sowie aus klinischen Akten werden jedoch häufig unabhängig voneinander ausgewertet. Hinzu kommt, dass diese Daten in der Schweiz oft auf verschiedene Spitäler verteilt sind, was ihre Auswertung weiter erschwert. Das Virtual Patient Projekt setzt sich zum Ziel, mithilfe des Aufbaus einer Plattform, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basiert, diese Fragmentierung zu überwinden. Es sollen sämtliche Informationen zusammengetragen werden, um ein vollständiges und kohärentes Profil jedes Patienten zu erstellen. Auf diese Weise können die behandelnden Ärzte die Erkrankung besser verstehen und die Behandlungen planen.

Durch die Verknüpfung verschiedener Informationsquellen erhalten die medizinischen Teams dank Virtual Patient einen genaueren und kohärenteren Überblick über jede einzelne klinische Situation.

Folgende Gewinne werden von diesem Vorhaben erwartet:

Langfristig könnte dieser Ansatz dazu beitragen, den Zugang zu innovativen therapeutischen Strategien zu verbessern, insbesondere bei komplexen oder seltenen Krebserkrankungen.

Ansatz

Die Plattform nutzt eine neue Generation von KI-Modellen, die mithilfe grosser Mengen vielfältiger medizinischer Daten trainiert wurden. Sie vereint klinische Daten mit gängigen Untersuchungen aus den Bereichen Histopathologie, genetische Sequenzierung sowie räumliche Proteomik und Transkriptomik. Dank dieser Kombination kann Virtual Patient fehlende Ergebnisse vorhersagen, die aussagekräftigsten Tests ermitteln, das Ansprechen auf Behandlungen simulieren und jeden Fall mit bereits bekannten Fällen vergleichen. Gremien bestehend aus Krebsexperten (Molecular Tumor Boards) werden die Plattform testen. Es soll ein interaktives Tool angeboten werden, das auf der Grundlage der gesamten verfügbaren Daten fundierte Empfehlungen auszusprechen kann und gleichzeitig den Zugang zu vergleichbaren klinischen Studien oder Forschungsarbeiten erleichtert.

Verbesserung der Wirksamkeit von PSMA-gerichteten Radioligandentherapien mithilfe
von Radiosensibilisierungsstrategien und Kombinationsbehandlungen

Dieser «zweckgebundene Fonds» im Wert von CHF 150’000 wurde im Dezember 2025 für zwei Jahre an Hélène Koch vergeben. Unterstützt durch einen grosszügigen Beitrag der LARDECO Stiftung. 

Die PSMA-gerichtete Radioligandentherapie (PSMA-RLT) hat sich zu einem wichtigen Eckpfeiler in der Behandlung von metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs entwickelt. Obwohl wegweisende klinische Studien signifikante Überlebensvorteile gezeigt haben, stellt die Therapieresistenz nach wie vor eine grosse Einschränkung dar. Bis zu 30% aller Patienten entwickeln eine primäre Resistenz, und die Mehrheit der Patienten, die zunächst auf die Behandlung ansprechen, erleiden innerhalb weniger Monate einen Rückfall.Dies deutet auf die ausgeprägte Anpassungsfähigkeit von Prostatakrebszellen und die Aktivierung kompensatorischer Strahlenresistenz-Signalwege hin.

Präklinische und klinische Studien haben gezeigt, dass die Hemmung einzelner Resistenz-Signalwege die Wirksamkeit der PSMA-RLT verbessern kann. Dennoch bleiben vollständige und dauerhafte Remissionen schwer zu erreichen. Das hier beschriebene Projekt zielt darauf ab, diesen Bedarf zu decken, indem Strategien zur Radiosensibilisierung, die entweder einzeln oder in Kombination auf komplementäre Resistenzmechanismen abzielen, systematisch evaluiert werden. In einem abgestuften Ansatz werden wir Xenotransplantat-Modelle mit robuster endogener PSMA-Expression einsetzen und Überlebensstudien mit ausführlichen in vivo Analysen kombinieren, um behandlungsinduzierte Veränderungen der Tumorbiologie zu charakterisieren. 

Wir werden Radiosensibilisatoren einsetzen, die aus bereits klinisch zugelassenen Medikamenten ausgewählt wurden. Die Verabreichung dieser Substanzen erfolgt in klinisch relevanten Dosierungsschemata. Bewertet wird ihre Fähigkeit zur Linderung von Hypoxie, zur Unterbrechung von Reparatursignalwegen und zur Destabilisierung von überlebensfördernden Signalwegen. Die Identifizierung synergistischerTherapien erfolgt durch wiederholte in vivo Tests. Im Anschluss findet eine Validierung in einem immunkompetenten Allotransplantatmodell statt. So sollen wichtige Erkenntnisse darüber gewonnen werden, welche Beiträge zur Resistenz sowohl der Tumor selbst als auch die Mikroumgebung leisten. Als Ergebnis erhoffen sich die Forscher eine Reihe rationaler, mechanismusorientierter Radiosensibilisierungsschemata, die die Dauerhaftigkeit der Tumorkontrolle durch die PSMA-RLT deutlich verbessern.

Das Projekt verfolgt das Ziel, die Wirksamkeit der Behandlung von Prostatakrebs zu verbessern und einen verallgemeinerbaren Rahmen für die kombinierte Radiotheranostik zu schaffen. Zu diesem Zweck verbindet es biologische Charakterisierung, bildgebende Biomarker und translationale Infrastruktur. Auf klinischer Ebene wird erwartet, dass diese Arbeit die Überlebensdauer von Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs verlängert und deren Lebensqualität verbessert, während gleichzeitig der Bedarf an toxischen Spätlinientherapien reduziert wird. Die gewonnenen Erkenntnisse werden die Grundlage für frühe klinische Studien bilden. Letztendlich könnten sie dazu führen, dass sich die PSMA-RLT von einer Therapie mit unterschiedlicher Wirksamkeit zu einer präzis gesteuerten Plattform entwickelt, mit der sich die Radioresistenz gezielt an der Wurzel bekämpfen lässt. 

Translationales Forschungsprojekt zur Analyse der räumlichen Architektur des Ansprechens von Melanomen im Frühstadium auf eine neoadjuvante PD-1-Immuntherapie

Dieser «zweckgebundene Fonds», aus einem grosszügigen Beitrag der ORFEO Stiftung, wurde Dr. Krisztian Homicsko (CHUV), Prof. Raphael Gottardo (UNIL) und Dr. Pierre Moulin (CHUV) im Dezember 2024 für ein Jahr vergeben.

Die Landschaft der Immuntherapien entwickelt sich rasch, schreitet von der Behandlung von Metastasen zum adjuvanten, und neuerdings auch zum neoadjuvanten Einsatz. Neoadjuvante Immuntherapien zeigen bei Melanomen ausgezeichnete Ansprechraten und vielversprechende Langzeitergebnisse. Sowohl Einzel- als auch Kombinationsimmuntherapien haben sich als wirksam erwiesen. Unklar ist jedoch, welche Patienten von welchem Ansatz am meisten profitieren. Bislanggibt es keinen einzelnen Biomarker, anhand dessen zuverlässig entschieden werden kann, welchen Patienten eine Behandlung zugutekommen wird, oder mit dessen Hilfe die am besten geeignete Behandlungsstrategie festgelegt werden kann. 

Angesichts der Komplexität der Tumormikroumgebung wollen wir die räumliche Architektur von Melanomen vor und nach einer neoadjuvanten Immuntherapie untersuchen. Zu diesem Zweck werden wir Methoden der digitalen Pathologie und der räumlichen Transkriptomik einzelner Zellen anwenden. Unser Ansatz vereint mehrere Modalitäten und kombiniert wenig komplexe Untersuchungen wie H&E Färbung und Multiplex-Immunhistochemie mit hochauflösender räumlicher Transkriptomik. Diese Strategie verbessert nicht nur unser Verständnis der Tumorumgebung; sie erleichtert auch die Suche nach potenziellen Biomarkern. 

Darüber hinaus wollen wir mithilfe der räumlichen Transkriptomik identifizierte Biomarker in konventionelle bildgebende Verfahren der Pathologie überführen und so unsere Erkenntnisse in einem breiteren klinischen Umfeld validieren.

Verbesserung der CAR-T-Zelltherapie für refraktäre multiple Myelome

Dieser «zweckgebundene Fonds», in Höhe von CHF 100’000, wurde im Dezember 2024 für ein Jahr an Prof. Carsten Riether und Dr. Marc Wehrli vergeben.

T-Lymphozyten mit einem chimären Antigenrezeptor (CAR) stellen einen wichtigen Fortschritt in der Krebsimmuntherapie dar, insbesondere bei Blutkrebs. Für diese Behandlung werden T-Zellen des Patienten so verändert, dass sie genetisch angepasste Rezeptoren exprimieren, die Krebszellen effizienter beseitigen können. Laufende Arbeiten fokussieren auf eine Erhöhung der Effizienz der CAR-T-Zelltherapie für an rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom (MM) erkrankte Patienten.

Das MM ist eine Blutkrebsart, die von bösartigen Plasmazellen im Knochenmark ausgeht. Trotz Fortschritten in der Behandlung bleibt das MM aufgrund seines rezidivierenden Charakters eine schwer zu behandelnde Erkrankung. Die gegen das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) gerichtete CAR-T-Zelltherapie hat sich als wirksam erwiesen. Allerdings ist ihre Wirksamkeit oft nur von kurzer Dauer.

Ziel unserer Arbeit ist es, spezifische Oberflächenproteine zu identifizieren, welche die Leistung von BCMA-CAR-T-Zellen verbessern könnten. Zu diesem Zweck werden wir Blutproben von 20 Patienten analysieren; darunter 10 Patienten, bei denen die Krankheit nach der CAR-T-Zelltherapie entweder fortschreitet oder stabil ist, sowie 10 Patienten, die ein vollständiges Ansprechen auf die Behandlung erreicht haben. Die Blutproben werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten entnommen. Unser Ziel ist es, aus diesen Proben anti-BCMA CAR-T-Zellen zu isolieren und ein CRISPR-Screening durchzuführen. In diesem Screening wird nach Oberflächenproteinen gesucht, die durch hochentwickelte Techniken der Einzelzell-RNA-Sequenzierung identifiziert wurden. Letztendlich sollen dank dieser Studie Oberflächenproteine identifiziert werden, die die Persistenz von CAR-T-Zellen beim multiplen Myelom verbessern. Die Identifizierung solcher Proteine wird die Grundlage für die nächste Generation von BCMA-CAR-T-Zelltherapien bilden und möglicherweise die Behandlungsergebnisse signifikant verbessern.

Multisysteme in der Krebsbiologie: das Zusammenspiel von intra- und extrazellulärer Proteostase

Dieser «zweckgebundene Fonds» wurde im November 2023 für 3 Jahre an Prof. Holger Auner (CHUV) vergeben.

Alle menschlichen Zellen müssen die richtigen Proteine zum richtigen Zeitpunkt und in den richtigen Mengen aufbauen – und später wieder abbauen. Um dies zu bewerkstelligen, müssen sie Bausteine, wie zum Beispiel Aminosäuren, verwenden und wiederverwerten, und Energie für die molekulare Maschinerie, die Eiweisse produziert und abbaut, bereitstellen. Die Feinabstimmung dieser Vorgänge stellt eine grosse Herausforderung dar, die die Zellen kontinuierlich meistern müssen, denn ein einwandfreies zelluläres «Proteom» (die Gesamtheit aller Proteine) ist für fehlerloses Funktionieren der Zellen und Gesundheit der Gewebe und Organe, in denen diese Zellen leben, unabdingbar. Dementsprechend entstehen zahlreiche Krankheiten, die oft mit dem Alter in Verbindung stehen, weil die Zellen nicht fähig sind, ihr Proteom in Ordnung zu halten.

Krebszellen wachsen und vermehren sich meist schneller als normale Zellen. Es wird deshalb angenommen, dass sie, um mit dem hohen Proteinumsatz Schritt zu halten, ganz besonders von Proteom regulierenden Vorgängen abhängig sind. Das Stören dieser Mechanismen stellt deshalb einen vielversprechenden therapeutischen Ansatz dar. Er kommt bereits bei mehreren Krebsarten zum Einsatz – unter anderem beim multiplen Myelom, einer bösartigen Erkrankung des Knochenmarks. Unsere Forschungsgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, besser zu verstehen wie verschiedene Krebsarten ihr Proteom im Lot zu halten versuchen. Wir möchten auch Wege finden, um diese Mechanismen mit neuen Medikamenten ins Visier zu nehmen. Ein Molekül, das uns besonders interessiert, heisst GCN2. Es reguliert die Antwort von Zellen auf einen niedrigen Aminosäurenvorrat. Wir wollen verstehen, wie wir GCN2 in Krebszellen sicher ausschalten können, so dass ihr Proteom versagt und sie absterben, während gesundes Gewebe weitgehend verschont bleibt. Wir wissen aus Experimenten, dass dieser Ansatz bei bestimmten Krebszellen gut funktioniert, bei anderen aber nicht. Ein Ziel unserer Forschung ist es, die Merkmale zu identifizieren, die mit einer Abhängigkeit der Krebszellen von GCN2 einhergehen. So könnten vor einer Therapie die Patienten identifiziert werden, die vermutlich auf eine Behandlung mit GCN2-anvisierenden Medikamenten ansprechen werden. Zu diesem Zweck wenden wir einen so genannten systembiologischen oder multi-omischen Ansatz an, in dem verschiedene Technologien zum Einsatz kommen, um mehrere zelluläre Prozesse parallel zu charakterisieren (z.B. um zu verstehen, wie sich der Zellmetabolismus verändert, wenn bestimmte Gene aktiv transkribiert und in Proteine übersetzt werden). Im Einklang mit zahlreichen anderen Wissenschaftern sind wir der Meinung, dass ein solcher ganzheitlicher Ansatz in der molekularen Krebsforschung grosses Potenzial hat, um bisher unbekannte Schwachstellen von Krebszellen zu identifizieren. Um diese Achillesfersen aufzuspüren und anzuvisieren, arbeiten wir mit Forschungspartnern aus dem akademischen Bereich und der Biotechnologie- und Pharmaindustrie zusammen.

CAR-T-Zell-Therapie für Kinder und Erwachsene bei einem Rückfall der akuten myeloischen Leukämie

Dieser «zweckgebundene Fonds» ist aus einer Zusammenarbeit mit der Jacqueline de Cérenville Stiftung und der Jan Baron Mladota Stiftung hervorgegangen. Er wurde im Juli 2023 für 5 Jahre an Dr. Francesco Ceppi (CHUV) und Prof. Caroline Arber (UNIL/CHUV) vergeben.

Einleitung

Das FIAMMA (CHIMERIC ANTIGEN RECEPTOR T CELL THERAPY FOR CHILDREN AND ADULTS WITH RELAPSED ACUTE MYELOID LEUKEMIA) Projekt wird durch eine von der ISREC Stiftung verwaltete private Spende in Höhe von 2,8 Millionen unterstützt und fokussiert auf Kinder und Erwachsene, die nach einer Standardbehandlung einen Rückfall erlitten haben.

 

Das «FIAMMA» Forschungsprojekt wird von PD Dr. Francesco Ceppi, leitender Arzt in der Abteilung für pädiatrische Hämato-Onkologie des CHUVs, und Prof. Caroline Arber, leitende Ärztin im Departement für Onkologie UNIL CHUV (Abteilung Immunonkologie und Hämatologie), in enger Zusammenarbeit geleitet. Ziel ist die Entwicklung einer neuartigen zellulären Immuntherapie für an akuter myeloischer Leukämie (AML) erkrankte Kinder und Erwachsene, die nach einer Standardbehandlung einen Rückfall erlitten haben.

 

Das Projekt steht beispielhaft sowohl für die Vision der translationalen Forschung, die vom Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV), der Universität Lausanne (UNIL) und dem Ludwig Institute for Cancer Research (LICR) umgesetzt wird, als auch für die etablierte enge Zusammenarbeit zwischen mehreren am Genfersee angesiedelten und im Swiss Cancer Center Léman (SCCL) vereinten Institutionen. Das Forschungsprojekt profitiert davon, dass die Infrastruktur der in der Krebsforschung weltweit anerkannten Onkologieabteilung UNIL CHUV zur Verfügung steht. Diese Abteilung hat schon mehrere vielversprechende klinische Studien zu neuartigen Immuntherapien für die Behandlung von verschiedenen Krebsarten durchgeführt. Darüber hinaus vereint dieses neue Projekt die sich ergänzenden Kompetenzen von zwei Experten auf dem Gebiet der Immuntherapie, die beide bereits mehrere Studien in diesem Bereich durchgeführt haben.

 

Das FIAMMA Projekt wird durch Zuwendungen in Höhe von 2,8 Millionen CHF finanziert. Es profitiert von der grosszügigen Unterstützung zweier privater, in Lausanne angesiedelten Stiftungen, der Jacqueline de Cérenville Stiftung und der Jan Baron Mladota Stiftung, welche sich via die ISREC Stiftung mit je 1,25 Millionen CHF beteiligen. Die ISREC Stiftung ihrerseits trägt 300’000 CHF zum Projekt bei. Unter Beizug ihres Wissenschaftlichen Rates, präsidiert durch Prof. Michael Hall, und ihrer wissenschaftlichen Direktorin, Prof. Susan Gasser, wird die ISREC Stiftung das Projekt begleiten und die über fünf Jahre (2023 bis 2027) verteilten Finanzierungsetappen koordinieren.

Akute myeloische Leukämie (AML)

Mit einer Inzidenz von 7 Fällen pro Million Kindern unter 15 Jahren ist die akute myeloische Leukämie (AML) die aggressivste Unterart der akuten Leukämien bei Kindern.

Trotz bemerkenswerten Verbesserungen in den vergangenen 40 Jahren deuten kürzlich erschienene Daten darauf hin, dass die Standardbehandlung, einschließlich konventioneller Chemotherapie und in mehr als der Hälfte der Fälle Transplantation hämatopoetischer Stammzellen (HSC), bei 30 bis 40 % aller neu diagnostizierten Patienten nicht erfolgreich ist.

Bei Erwachsenen ist in Europa die AML, mit durchschnittlich fünf neuen Fällen pro Jahr und 100’000 Einwohnern, die häufigste Form der akuten Leukämien. Die Ergebnisse der Standardbehandlung (intensive Chemotherapie, wenn möglich kombiniert mit zielgerichteten, personalisierten Medikamenten und einer HSZ-Transplantation) sind vergleichbar mit denjenigen, die bei Kindern erzielt werden. Patienten, bei denen die AML nach einer HSZ-Transplantation zurückkehrt, oder die auf eine intensive Chemotherapie nicht ansprechen, haben weiterhin eine sehr schlechte Prognose und die Entwicklung neuer Therapien für diese Patientengruppe stellt bislang einen unerfüllten klinischen Bedarf dar.

«Unser FIAMMA Projekt befasst sich mit dieser in der medizinischen Forschung oft vernachlässigten Population von pädiatrischen und erwachsenen Patienten. Wir beabsichtigen, einen neuen immuntherapeutischen Ansatz mit T-Lymphozyten, die einen chimärischen Antigenrezeptor (CAR) tragen, zu untersuchen. Der CAR verleiht den T-Lymphozyten die Fähigkeit, die Leukämiezellen direkt anzuvisieren und zu vernichten. Diese neuartige Behandlung hat Heilungspotenzial», kommentiert Prof. Caroline Arber.

Wie funktioniert eine CAR-T-Zell-Immuntherapie?

Die CAR-T-Zell-Immuntherapie steht sowohl für einen innovativen neuen Therapieansatz als auch für neue Hoffnung für die Behandlung von gewissen Krebsarten. Die Immunonkologie-Abteilung des CHUVs hat bereits kommerzielle CAR-T-Behandlungen für die akute lymphatische Leukämie (ALL), gewisse aggressive Leukämiearten und das Multiple Myelom eingeführt.  Bei dieser Therapieart wird das Immunsystem des Patienten benutzt, um gegen den Krebs zu kämpfen. Die verschiedenen Nebenwirkungen sind von kurzer Dauer, im Vergleich zu den länger anhaltenden Komplikationen, die bei Standardbehandlungen auftreten können.

«In der Schweiz gibt es aktuell für die akute myeloische Leukämie weder klinische Studien noch kommerzielle Produkte auf CAR-T-Zellbasis. Studien in den USA und China stehen ihrerseits noch in einer sehr frühen Phase. Wenn wir hier in der Schweiz nicht unsere eigene akademische Studie entwickeln, werden wir mittelfristig keinen vergleichbaren Ansatz für die Behandlung von rezidivierender ALM vorweisen können», erklärt Dr. Francesco Ceppi.

Das CHUV verfügt über die notwendige Infrastruktur, um CAR-T-Produkte im Rahmen einer akademischen klinischen Studie herzustellen. Angesichts der Einzigartigkeit des Projektes können die für die FIAMMA Studie infrage kommenden Patienten – 6 Erwachsene und 6 Kinder – sowohl in der Schweiz wie auch im Ausland rekrutiert werden.

Die Etappen des Projektes

In einem ersten Schritt werden im Forschungslabor von Prof. Arber die präklinischen Studien, in denen die Wirksamkeit der neuen CAR-T-Produkte gegen AML geprüft werden, abgeschlossen. In einer zweiten Etappe werden der Herstellungsprozess und die Produktion des klinischen viralen Vektors, den es für die Expression des CARs an der Oberfläche der T-Lymphozyten braucht, optimiert. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Centre de Thérapies Expérimentales der onkologischen Abteilung des UNIL CHUV.

Danach wird eine wichtige Phase des Projektes darin bestehen, das Protokoll für die klinische Forschung zu entwickeln. Dieses wird anschliessend dem Schweizerischen Heilmittelinstitut (Swissmedic) und der Commission cantonale d’éthique de la recherche sur l’être humain (CER-VD, kantonale Ethikkommission) zur Genehmigung vorgelegt. Wird von den beiden Instanzen grünes Licht gegeben, kann die Phase I der klinischen Studie am CHUV beginnen, idealerweise zwischen Ende 2024 und Anfang 2025.

Die Patientenrekrutierung wird hauptsächlich in der Schweiz erfolgen, aber auch in Nachbarländern, in denen Patienten keinen Zugang zu vergleichbaren Studien haben. Die Forschenden schätzen, dass Rekrutierung und Verabreichung der Behandlung circa 24 Monate dauern werden. Auch werden vertiefte Analysen der Funktionsweise dieser neuartigen Therapie durchgeführt, mit korrelativen Studien an Proben, die während und nach der Behandlung jedem Patienten entnommen wurden. Diese Untersuchungen werden zum besseren Verständnis der biologischen Parameter, die mit dieser neuen therapeutischen Strategie einhergehen, beitragen.

Pressemitteilung

Die CAReLEMAN Studie – Eine neuartige Zelltherapie für an Leukämie erkrankte Kinder und junge Erwachsene

Dieser « zweckgebundene Fonds für pädiatrische Onkologie» wurde im September 2019 vergeben.

Ziel der CAReLEMAN Studie ist die Untersuchung einer neuartigen und vielversprechenden Behandlung für an akuter lymphatischer Leukämie (ALL) erkrankte Kinder und junge Erwachsene, die nach einer Standarttherapie einen Rückfall erlitten haben. Sie wird am schweizerischen Universitätsspital Lausanne (CHUV) in Zusammenarbeit mit Leman BioTech durchgeführt. ALL ist die häufigste Blutkrebsart bei Kindern. Dank grosserFortschritte bei der Behandlung können die meisten Patienten geheilt werden. Für Patienten, bei welchen die Leukämie zurückkehrt, sind die Behandlungsoptionen jedoch weiterhin begrenzt und beinhalten oft sehr intensive Chemotherapien oder Knochenmarktransplantationen. 

Die Studie untersucht einen innovativen Ansatz namens IL-10 CAR-T anti-CD19 Therapie. CAR-T-Zellen sind spezialisierte Immunzellen, die dem Blut des Patienten entnommen und im Labor so modifiziert werden, dass sie Krebszellen erkennen und angreifen können. In dieser neuen Version haben die Forschenden ein sogenanntes Interleukin-10-Molekül (IL-10) hinzugefügt, mit dem Ziel, dass die Zellen länger stark und aktiv bleiben und somit möglicherweise wirksamer gegen Leukämie sind (Prof. Li Tang, EPFL). 

In der CAReLEMAN Studie wird zunächst überprüft, ob die neue Therapie sicher und durchführbar ist (Phase I). Danach wird untersucht, ob die Behandlung zur Eindämmung der Erkrankung geeignet ist (Phase II). An der Studie nehmen zwei Patientengruppen teil: eine mit Patienten, die noch nie eine CAR-T-Behandlung erhalten haben und eine mit Patienten, bei denen die Leukämie nach einer Standard-CAR-T-Therapie zurückgekehrt ist. 

Erste Ergebnisse aus Studien mit Erwachsenen haben eine geringe Toxizität und sehr hohe Ansprechraten, selbst bei sehr niedrigen Dosen, gezeigt (Xu Q et al., IL-10-expressing, anti-CD19 CAR T cells for patients with relapsed or refractory B-cell acute lymphoblasticleukaemia: an open-label, single-arm, phase 1 study. Lancet Haematol. 2025). Die CAReLEMAN Studie hat zum Ziel, diese vielversprechenden Ergebnisse auch jungen Patienten zugänglich zu machen und ihnen eine schonendere, präzisere und dauerhaftere Behandlungsoption anzubieten, mit der sich die Langzeitnebenwirkungen herkömmlicher Therapien reduzieren lassen.

Ist diese Studie erfolgreich, so könnte sie einen wichtigen Schritt in Richtung sicherererpersonalisierter Behandlungen für Kinder und junge Erwachsene mit schwer behandelbarer Leukämie darstellen und ihren Familien neue Hoffnung schenken.