Verbesserte Integration von medizinischen Daten zur Unterstützung von personalisierter onkologischer Betreuung

Dieser «zweckgebundene Fonds», unterstützt durch eine grosszügige Spende der Loterie Romande, wurde im Juli 2026 für 4 Jahre an Prof. Charlotte Bunne (EPFL) und Prof. Olivier Michielin (HUG) vergeben.

Die Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen stützt sich heute auf eine Vielzahl von Daten. Informationen aus Gewebe-, Genom-, Eiweiss- und Genexpressionsanalysen sowie aus klinischen Akten werden jedoch häufig unabhängig voneinander ausgewertet. Hinzu kommt, dass diese Daten in der Schweiz oft auf verschiedene Spitäler verteilt sind, was ihre Auswertung weiter erschwert. Das Virtual Patient Projekt setzt sich zum Ziel, mithilfe des Aufbaus einer Plattform, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basiert, diese Fragmentierung zu überwinden. Es sollen sämtliche Informationen zusammengetragen werden, um ein vollständiges und kohärentes Profil jedes Patienten zu erstellen. Auf diese Weise können die behandelnden Ärzte die Erkrankung besser verstehen und die Behandlungen planen.

Durch die Verknüpfung verschiedener Informationsquellen erhalten die medizinischen Teams dank Virtual Patient einen genaueren und kohärenteren Überblick über jede einzelne klinische Situation.

Folgende Gewinne werden von diesem Vorhaben erwartet:

Langfristig könnte dieser Ansatz dazu beitragen, den Zugang zu innovativen therapeutischen Strategien zu verbessern, insbesondere bei komplexen oder seltenen Krebserkrankungen.

Ansatz

Die Plattform nutzt eine neue Generation von KI-Modellen, die mithilfe grosser Mengen vielfältiger medizinischer Daten trainiert wurden. Sie vereint klinische Daten mit gängigen Untersuchungen aus den Bereichen Histopathologie, genetische Sequenzierung sowie räumliche Proteomik und Transkriptomik. Dank dieser Kombination kann Virtual Patient fehlende Ergebnisse vorhersagen, die aussagekräftigsten Tests ermitteln, das Ansprechen auf Behandlungen simulieren und jeden Fall mit bereits bekannten Fällen vergleichen. Gremien bestehend aus Krebsexperten (Molecular Tumor Boards) werden die Plattform testen. Es soll ein interaktives Tool angeboten werden, das auf der Grundlage der gesamten verfügbaren Daten fundierte Empfehlungen auszusprechen kann und gleichzeitig den Zugang zu vergleichbaren klinischen Studien oder Forschungsarbeiten erleichtert.

Die CAReLEMAN Studie – Eine neuartige Zelltherapie für an Leukämie erkrankte Kinder und junge Erwachsene

Dieser « zweckgebundene Fonds für pädiatrische Onkologie» wurde im September 2019 vergeben.

Ziel der CAReLEMAN Studie ist die Untersuchung einer neuartigen und vielversprechenden Behandlung für an akuter lymphatischer Leukämie (ALL) erkrankte Kinder und junge Erwachsene, die nach einer Standarttherapie einen Rückfall erlitten haben. Sie wird am schweizerischen Universitätsspital Lausanne (CHUV) in Zusammenarbeit mit Leman BioTech durchgeführt. ALL ist die häufigste Blutkrebsart bei Kindern. Dank grosserFortschritte bei der Behandlung können die meisten Patienten geheilt werden. Für Patienten, bei welchen die Leukämie zurückkehrt, sind die Behandlungsoptionen jedoch weiterhin begrenzt und beinhalten oft sehr intensive Chemotherapien oder Knochenmarktransplantationen. 

Die Studie untersucht einen innovativen Ansatz namens IL-10 CAR-T anti-CD19 Therapie. CAR-T-Zellen sind spezialisierte Immunzellen, die dem Blut des Patienten entnommen und im Labor so modifiziert werden, dass sie Krebszellen erkennen und angreifen können. In dieser neuen Version haben die Forschenden ein sogenanntes Interleukin-10-Molekül (IL-10) hinzugefügt, mit dem Ziel, dass die Zellen länger stark und aktiv bleiben und somit möglicherweise wirksamer gegen Leukämie sind (Prof. Li Tang, EPFL). 

In der CAReLEMAN Studie wird zunächst überprüft, ob die neue Therapie sicher und durchführbar ist (Phase I). Danach wird untersucht, ob die Behandlung zur Eindämmung der Erkrankung geeignet ist (Phase II). An der Studie nehmen zwei Patientengruppen teil: eine mit Patienten, die noch nie eine CAR-T-Behandlung erhalten haben und eine mit Patienten, bei denen die Leukämie nach einer Standard-CAR-T-Therapie zurückgekehrt ist. 

Erste Ergebnisse aus Studien mit Erwachsenen haben eine geringe Toxizität und sehr hohe Ansprechraten, selbst bei sehr niedrigen Dosen, gezeigt (Xu Q et al., IL-10-expressing, anti-CD19 CAR T cells for patients with relapsed or refractory B-cell acute lymphoblasticleukaemia: an open-label, single-arm, phase 1 study. Lancet Haematol. 2025). Die CAReLEMAN Studie hat zum Ziel, diese vielversprechenden Ergebnisse auch jungen Patienten zugänglich zu machen und ihnen eine schonendere, präzisere und dauerhaftere Behandlungsoption anzubieten, mit der sich die Langzeitnebenwirkungen herkömmlicher Therapien reduzieren lassen.

Ist diese Studie erfolgreich, so könnte sie einen wichtigen Schritt in Richtung sicherererpersonalisierter Behandlungen für Kinder und junge Erwachsene mit schwer behandelbarer Leukämie darstellen und ihren Familien neue Hoffnung schenken.

Eine Phase I klinische Studie zur Bewertung der prophylaktischen Infusion von Spender CD45RA-negativen Gedächtnis/Effektor-T-Zellen bei Patienten, denen hämatopoetische Stammzellen eines haploidentischen Spenders nach intensitätsreduzierter Konditionierung transplantiert wurden

Dieser aus einer Schenkung der gemeinnützigen Dachstiftung Symphasis stammende «zweckgebundene Fonds» wurde im April 2018 an Dr. Anne-Claire Mamez von den Genfer Universitätsspitälern (HUG) verliehen.

Viele Patienten, denen hämatopoetische Stammzellen transplantiert wurden, erhalten prophylaktische Spenderlymphozyteninfusionen (DLI), um das Risiko eines Rückfalles zu minimieren und die Immunität wiederherzustellen. Diese lebensrettende Therapie steht Patienten, die Stammzellen von in hohem Masse inkompatiblen Spendern erhalten haben, nicht zur Verfügung, da das Risiko einer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (graft-versus-host-disease (GvHD)) zu hoch wäre.

Unser Projekt, eine Phase I Studie (12 Patienten), hat zum Ziel, die Machbarkeit und die Sicherheit einer Infusion von DLIs in steigenden Dosen zu untersuchen. Diesen DLIs wurde mittels CliniMACS® Technologie der Grossteil der alloreaktiven T-Zellen entzogen, die hauptsächlich in der CD45RA-positiven (naiven) T-Zellpopulation vorhanden sind.

Unsere Patientenkohorte wird prospektiv mit einer Kontrollgruppe von Patienten verglichen werden, denen an den Universitätsspitälern in Basel und Zürich Stammzellen nach demselben Transplantationsprotokoll, aber ohne Infusion von CD45RA-negativen Spenderlymphozyten, transplantiert wurden.