Sind zwei Immunsysteme besser als eines?

Programmierung von tumorinfiltrierenden Lymphozyten mit cGAMP zur Behandlung von Melanomen

Die Infusion von programmierten Lymphozyten, um die Wirkung von Immuntherapien zu verbessern, ist eine innovative und effektive Methode, um Hautkrebszellen, sogenannte Melanome, zu zerstören. Leider erweist sich dieser Ansatz jedoch nicht immer als erfolgreich. In diesem Projekt soll die Therapie mit tumorinfiltrierenden Lymphozyten (TIL) verbessert werden: Lymphozyten werden genetisch verändert, so dass sie ein Molekül ausschütten, welches eine zweite, angeborene Immunantwort aktiviert. Diese läuft unabhängig von der adaptiven Immunantwort der T-Lymphozyten ab.

In diesem TANDEM Projekt werden TIL-spezifische klinische Therapieexpertise (Prof. Haanen) und Fachwissen auf dem Gebiet des cGAS-STING-Signalweges (Prof. Ablasser) vereint. Die Forschungsarbeiten werden mithilfe eines ex vivo Systems, mit sogenannten Explants, durchgeführt. Für den von diesen herausragenden Forschenden angestrebten therapeutischen Erfolg wird das langfristige Fortbestehen der modifizierten TIL entscheidend sein.

Wie kann verhindert werden, dass leukämische Stammzellen das Immunsystem ausser Gefecht setzen?

Anvisierung des metabolischen Austausches zwischen leukämischen Stammzellen, Makrophagen und T-Lymphozyten zur Verhinderung der Immunevasion bei akuter myeloischer Leukämie

Dieses Projekt befasst sich mit der akuten myeloischen Leukämie, einem aggressiven Blutkrebs, bei dem es oft zu Rezidiven kommt. Diese Rückfälle stehen insbesondere im Zusammenhang mit leukämischen Stammzellen, welche in der Lage sind, Behandlungen zu widerstehen und im Knochenmark zu überleben, wodurch eine immunsuppressive Mikroumgebung entsteht.

Die Forscherinnen möchten verstehen, wie diese Zellen ihre Umgebung verändern, indem sie bestimmte metabolische Moleküle, insbesondere Adenosin und Kreatin, absondern. Diese Substanzen sind in der Lage, die Aktivität der Makrophagen und T-Lymphozyten zu schwächen, was den leukämischen Zellen ermöglicht, dem Immunsystem zu entkommen. Mithilfe eines Maus-Mensch-Knochenmarkmodells soll untersucht werden, ob die Hemmung dieser metabolischen Mechanismen zur Wiederherstellung der Immunabwehr und zur Verbesserung der Wirksamkeit der üblichen Behandlungen führen kann.

Optimierung der Radiotherapie zur Erhaltung der Immunabwehr gegen Krebs

Optimierung von Behandlungen, die eine Strahlentherapie und Immunmodulation verbinden, indem die Lymphknoten gegen strahlenbedingte Schädigungen geschützt werden

In diesem Projekt geht es um die Optimierung von Behandlungen, die eine Strahlentherapie und eine Immuntherapie kombinieren. Bei einer Strahlentherapie werden oft die Lymphknoten in der Umgebung des Tumors bestrahlt, um eventuell vorhandene Krebszellen zu eliminieren. Allerdings spielen diese Lymphknoten auch bei der Aktivierung der an der Immunantwort beteiligten T-Lymphozyten eine wichtige Rolle. Werden sie gleichzeitig mit dem Tumor bestrahlt, kann dies zu einer verminderten Wirksamkeit der Immuntherapie führen.

Die Forschenden möchten verstehen, wie die Strahlentherapie die Funktion der Lymphknoten beeinträchtigt und herausfinden, wie diese Organe besser geschützt werden können. Sie werden unter anderem untersuchen, ob sich mit einer zeitlich versetzten Bestrahlung der Lymphknoten oder einer Anpassung der Dosierung und der Behandlungstermine die Immunantwort erhalten lässt, ohne die Kontrolle über die Erkrankung zu verlieren. Langfristig sollen die Ergebnisse zur Vorbereitung einer klinischen Studie mit Patienten mit Kopf-Hals-Krebs dienen.

Mobilisierung von Leberimmunzellen für eine wirksamere Krebsbekämpfung

Modulierung der Immunität von T-CD8-Lymphozyten unter Einbeziehung der Kupffer-Zellen zur breitbandigen Bekämpfung des viralen oder nicht-viralen hepatozellulären Karzinoms

In diesem Projekt sollen neue immuntherapeutische Ansätze zur Behandlung des hepatozellulären Karzinoms, der häufigsten Form des Leberkrebses, entwickelt werden. Die Forscher interessieren sich insbesondere für die Kupffer-Zellen. Dabei handelt es sich um natürlicherweise in der Leber vorkommende Immunzellen, die in der Lage sind, dem Tumor Substanzen zu entnehmen und die T-CD8-Lymphozyten gegen die Krebszellen zu aktivieren.   

Ziel des Projektes ist die Wiederherstellung und Verstärkung der Immunantwort. Diese ist oft durch eine chronische Entzündung, virale Infekte oder das Fortschreiten der Erkrankung selbst geschwächt. Darüber hinaus sollen spezifische Marker an der Oberfläche der Krebszellen identifiziert und Antikörper entwickelt werden, welche die Tumorzellen an die Kupffer-Zellen heranziehen. Diese Strategie könnte die Qualität und Dauer der Immunantwort verbessern, sowohl bei durch das Hepatitis-B-Virus verursachten Leberkrebserkrankungen als auch bei solchen nicht-viralen Ursprungs. Dieser innovative Ansatz schafft ein neues immuntherapeutisches Paradigma für eine schwer zu behandelnde Krebserkrankung.

Innovative Ansätze zur Vermeidung einer radikalen Resektion bei Blasenkrebs

Ultraschall-Embolisation zur lokalen, minimal invasiven Behandlung von Blasentumoren

Persistierender oder rezidivierender nicht muskelinvasiver Blasenkrebs (NMIBC) erfordert in der Regel einen radikalen chirurgischen Eingriff, bei dem ein Grossteil der Blase entfernt wird. Dies beeinträchtigt die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten erheblich. Der vorliegende Antrag befasst sich mit einer blasenerhaltenden Alternative: einer bildgesteuerten Therapie mit einer biokompatiblen Flüssigkeit namens «Sonoink». Dieses Produkt würde in den Tumor injiziert, woraufhin fokussierter Ultraschall seine Verfestigung ausschliesslich innerhalb des Tumorbereichs bewirken würde. Dadurch könnte die Blutzufuhr zum Tumor unterbunden, die Läsion mechanisch gefestigt und gegebenenfalls die Tumorzellen zerstört werden. Dies würde eine wirksame Resektion unter Erhalt der Blasenwand ermöglichen und nach Möglichkeit einen radikalen chirurgischen Eingriff vermeiden.

Welche Lungenkrebs-Patienten sprechen auf eine Immuntherapie an?

Multimodale Evaluation der durch Chemokine regulierten Immunzellnischen zur Vorhersage der Antwort auf eine Immuntherapie bei Lungenkrebs-Patienten

Der nicht-kleinzellige Lungenkrebs ist eine häufig vorkommende Lungenkrebsart. Viele, aber nicht alle, Patienten sprechen auf eine Immuntherapie an. Ziel dieses Projektes ist es, anhand einer Kartierung der Zytokine diejenigen Patienten zu identifizieren, die auf eine Immuntherapie ansprechen. Zytokine sind kleine Signalmoleküle, welche die Immunantwort regulieren.

Ausgehend von einer Patientenkohorte bestehend aus 27 ansprechenden und 14 nicht-ansprechenden Patienten werden die durch Chemokine regulierten Immunzellnischen mittels hochauflösender molekularer Bildgebung kartographiert. Das Team hofft, in Zusammenarbeit mit Experten auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, das Ansprechen auf Behandlungen mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren vorhersagen zu können.

Verbesserung der Persistenz und Wirksamkeit von zur Krebsbekämpfung eingesetzten Immunzellen

Untersuchung der räumlichen Aktivität von NFAT5 als Faktor für das Versagen des Immunsystems und als Ziel für neuartige Krebsimmuntherapien

In diesem Projekt wird untersucht, warum T-Lymphozyten, deren Aufgabe es ist, Krebszellen anzugreifen, in bestimmten Tumoren ihre Wirksamkeit nach und nach verlieren. Die Forschenden interessieren sich für NFAT5. Dieses Protein ist in den nekrotischen Zonen des Tumors, wo die lokalen Bedingungen eine Erschöpfung der Immunzellen begünstigen könnten, besonders aktiv. Dieser Mechanismus wird in Proben von Melanomen und Lungenkrebs untersucht, um festzustellen, ob die Aktivität von NFAT5 eingesetzt werden kann, um das Ansprechen auf Behandlungen vorherzusagen.

Im Rahmen dieses Projektes wird ausserdem eine Strategie evaluiert, bei der NFAT5 blockiert wird, um die antitumorale Aktivität der T-Lymphozyten wiederherzustellen. Die Forschenden werden diesen Ansatz in präklinischen Modellen, an Patientengewebe sowie im Rahmen von Zelltherapien prüfen. Ziel ist es, die Persistenz und Wirksamkeit der Immunzellen im Kampf gegen Krebserkrankungen zu steigern.

Verbesserung der Nutzung der Immunumgebung von Eierstockkrebs für Präzisionstherapien

Dieser «zweckgebundene Fonds» wurde im August 2026 für 3 Jahre an Prof. Denarda Dangaj vergeben.

Eierstockkrebs ist nach wie vor eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen bei Frauen. Diese Erkrankung erweist sich als besondere Herausforderung: Es treten häufig Rückfälle nach Standardbehandlungen auf und das Ansprechen auf Immuntherapien ist noch nicht zufriedenstellend. Ziel des vorliegenden Projektes ist es, besser zu verstehen, warum bestimmte Tumoren nach einer Chemotherapie rezidivieren und wie sie es schaffen, dem Immunsystem zu entkommen. Diese Erkenntnisse sollen den Weg für neue therapeutische Ansätze ebnen, die gezielter und personalisierter ansetzen.

Um diese Fragen zu beantworten, analysieren die Forschenden Tumorproben von 69 Patientinnen. Dabei werden die ursprünglichen Tumoren mit nach der Behandlung auftretenden Tumoren verglichen. Mithilfe fortschrittlicher Technologien, insbesondere der digitalen Pathologie und der Einzelzell-Sequenzierung, charakterisieren sie die Organisation und die Rolle der Immunzellen in der Tumormikroumgebung. Ein besonderes Augenmerk gilt den T-Lymphozyten und myeloiden Zellen (Makrophagen und dendritischen Zellen). Präklinische Mausmodelle ergänzen diesen Ansatz, um den Krankheitsverlauf unter ähnlichenBedingungen zu verfolgen, wie sie bei Menschen auftreten. 

Dank dieses Projektes konnten vier unterschiedliche Immunantwortprofile in Eierstocktumoren identifiziert werden. Einige davon scheinen die Tumorprogression zu bremsen, während andere sie begünstigen. Nun sollen die Rollen der unterschiedlichen Immunprofile geklärt und zuverlässige Biomarker identifiziert werden. Letztere sollen dazu dienen, den Krankheitsverlauf und das Ansprechen auf Behandlungen vorherzusagen,Patientinnen, die von einer Immuntherapie profitieren könnten, zuverlässiger zu identifizieren, und neue therapeutische Strategien zur Minimierung des Rückfallrisikos zu definieren.Letztlich könnten diese Forschungsarbeiten zur Entwicklung von Behandlungen beitragen, die besser auf das Immunprofil jeder einzelnen Patientin abgestimmt sind.

Erweiterung der Krebsdiagnostik durch Analyse von Lymphknoten

Klinischer Einsatz und Validierung eines Multikrebs-Deep-Learning-Algorithmus zur Erkennung von Lymphknotenmetastasen auf der Basis von Foundation-Models

Diese Studie basiert auf einer engen Verbindung zwischen Informatik und klinischer Anwendung. Die Entdeckung von Krebszellen in den Lymphknoten eines Patienten ist für die Behandlung der Erkrankung von entscheidender Bedeutung. Die Analyse des Lymphknotenstatus erfordert die Fachkenntnisse eines Pathologen, ist jedoch arbeitsintensiv und mit grossem Zeitaufwand verbunden. Um Pathologen bei dieser Aufgabe zu unterstützen, wurde ein computergestütztes Diagnose-Tool entwickelt, das Deep Learning zur Erkennung von Lymphknotenmetastasen im Darmbereich nutzt. Nun werden die Wissenschafter das Training dieses Algorithmus auf Lymphknoten von zehn weiteren Krebsarten ausweiten, um dessen Nutzen für die tägliche Anwendung in der klinischen Onkologie zu erhöhen.

Was uns die Bildgebung des Knochenmarks über Leukämie verraten kann

Deepmarrow: Untersuchung der Knochenmarkumgestaltung nach intensiver Chemotherapie als Prädiktor für das Ansprechen bei akuter myeloischer Leukämie

Im Verlauf der akuten myeloischen Leukämie (AML) können Veränderungen im tumorumgebenden Gewebe, dem sogenannten Stroma, dazu führen, dass Bereiche mit rascher Blutkörperchenbildung in Zonen mit pathologischem Zellwachstum umgewandelt werden. Dies kann eine weitere Ausprägung der Erkrankung zur Folge haben. Ziel der Studie ist die Entwicklung neuer digitaler Machine-Learning-Tools auf der Grundlage der Hämatopathologie, mit denen Bestandteile des Bindegewebes im Knochenmark quantifiziert werden können. Dieses Tool könnte auch dabei helfen, AML-Patienten mit einem hohen Rückfallrisiko zu identifizieren und sollte dazu beitragen, Rückfälle bei AML vorherzusagen und zu verhindern. Dies stellt derzeit eindeutig einen ungedeckten klinischen Bedarf dar.